Wohnungen, Häuser und Pälaste


Die Häuser, die die Masse der Bebauung der kaiserzeitlichen Stadt Rom und anderer Städte ausmachten, waren die großen, in der Hauptsache vier- bis fünfstöckigen Mietskasernen, insulae (Inseln) genannt. In deren Wohnungen wohnten auch Wohlhabendere, die dann mehrere Zimmer hatten, aber allen Wohnungen war gemeinsam, dass die Ausstattung mit Möbeln äußerst einfach war. Ein Bett, auf dem man auch saß, ein Tisch, einige Stühle, Lampen, Kohlenbecken für die Heizung, Essgeschirr, Küchengerät, wenn man eine Küche hatte, in vielen Wohnungen fehlte sie; man holte sich sein Essen von den vielen Garköchen auf der Straße.

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Eine Toilette gab es nicht, man benutzte Töpfe, die dann was natürlich verboten war aus dem Fenster geschüttet oder in große Kübel geleert wurden, die unter der Treppe standen; deren Inhalt wurde von den Gerbern abgeholt, die ihn zum Bearbeiten des Leders brauchten. Zwar gab es ein berühmtes und wohl organisiertes Abwässersystem seit der hohen Republik, sieben große, unterirdische, später auch bedeckte Hauptkanäle nahmen die Abfälle auf, darunter die berühmte Cloaca Maxima, in die zahlreiche kleinere Kanäle mündeten, und die sich dann alle zusammen in den Tiber ergossen, aber bis in die einzelnen Wohnungen reichte die Kanalisation nicht. Es gab zudem 144 öffentliche Latrinen, wo man dann nebeneinander sitzen und plauschen konnte.

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Die Versorgung mit Trinkwasser war eines der Ruhmesblätter der römischen Zivilisation. Seit der archaischen Zeit Griechenlands war sie ein existenzielles Bedürfnis jeder größeren städtischen Siedlung, und gerade die Tyrannen dieser frühen Zeit hatten sich ja durch den Bau von Brunnen und Wasserleitungen Verdienste erworben. Meist funktionierten sie durch leichtes Gefälle. 500 km waren sie insgesamt lang und lieferten 700.000 m3 Wasser pro Tag. In Pompeji und teilweise auch in Rom bestanden sie aus drei übereinander liegenden Leitungen: Die unterste belieferte die öffentlichen Becken und Brunnen, die mittlere Thermen und Bäder und die obere die wenigen Privathäuser, die sich diesen kostspieligen Anschluss leisten konnten; gab es Wassermangel, versiegte zuerst die Zufuhr bei diesen, dann bei den Thermen, und die öffentliche Wasserversorgung funktionierte am längsten.

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Die meisten Einwohner Roms wohnten in solchen Mietshäusern; Slums mit provisorischen Unterkünften gab es nicht. Nur die ganz Vornehmen oder ganz Reichen wohnten in einzelnen Häusern, in einer domus. Das waren großzügige, frei stehende, mit Gärten umgebene Anlagen, von denen es in Rom aber nur etwa 1800 gab; dort wohnte nur eine verschwindende Minderheit, die sich zudem natürlich auch oft in ihren Landhäusern außerhalb Roms aufhielt.

Auch die Kaiser nannten ihre Häuser domus. Der erste von ihnen, Augustus, hatte sein Haus auf dem Palatin, also in dem Stadtteil, der schon immer eine bevorzugte Wohngegend der Oberschicht war. Dieses Haus, obwohl es schon faktisch eine Herrscherresidenz mit Anklängen an hellenistische Königsbauten war und einen direkten Zugang zur Kaiserloge des Circus Maximus, dem Pulvinar, hatte, war trotzdem nur ein etwas herausgehobenes adeliges Wohnhaus. Alle späteren Kaiser bis zu den Severern errichteten nun ebenfalls ihre Residenzen auf dem Palatin, und daraus entwickelte sich über das lateinische Wort palatium unser Wort Palast. Nero in seinem Größenwahn begann, sein “Goldenes Haus”, die Domus Aurea, weit über den Palatin hinaus zu errichten, aber seine Nachfolger, die Flavier, rissen es wieder ab und errichteten anderes an seiner statt, so das Kolosseum und die Titusthermen. Erst Domitian baute auf dem Palatin das, was auch architektonisch einem Palast gleichkam, nämlich ein mehrstöckiges Prunkgebäude mit Thronsaal und prachtvollen Sälen und Gemächern. Hier residierten alle folgenden Kaiser einschließlich der Severer.

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