Die Wirtschaft des antiken Roms


Als Reichshauptstadt war Rom nicht nur Sitz eines gewaltigen Verwaltungsapparates, sondern auch ein privilegiertes Wirtschaftszentrum, das dank der Steuereinnahmen aus den Provinzen eine einzigartige Blüte erlebte. Wichtigster Wirtschaftszweig war der Handel. Rege überregionale Aktivitäten bedingte allein schon die Versorgung der Bevölkerung, denn der Bedarf an Grundnahrungsmitteln wie Getreide, Olivenöl und Wein war in der Millionenstadt so groß, dass man ihn nur durch laufende Lieferungen aus den Provinzen decken konnte. Zentrale Bedeutung hatte der Import von Getreide. Er unterstand in der Kaiserzeit einer eigenen Behörde, die nicht nur den Transport per Schiff und die Lagerung in Speichern überwachte, sondern auch Herstellung, Qualität und Preis des Brotes kontrollierte. Da es trotz staatlicher Organisation immer wieder zu Versorgungskrisen kam, ließen die Kaiser regelmäßig auf eigene Kosten Getreide verteilen, um ihre Fürsorge und Großzügigkeit unter Beweis zu stellen. Welchen Umfang der Handel mit Olivenöl und Wein erreichte, zeigt noch heute der Monte Testaccio, ein etwa 50 m hoher Hügel in der Nähe des Tiberhafens, der ausschließlich aus Scherben weggeworfener Transportgefäße besteht.

Selbstverständlich beschränkte sich der Konsum keineswegs auf Nahrungsmittel. Zum alltäglichen Bedarf gehörten genauso handwerkliche Produkte wie Kleider, Schuhe, Toilettgeräte, Küchenutensilien und Tafelgeschirr. Wie in den meisten Städten des Reiches konnte man hier außer diversen lokalen Erzeugnissen nach Belieben Waren kaufen, die von weither eingeführt wurden. Symptomatisch für Rom war dagegen die verhältnismäßig große Nachfrage nach exotischen Luxusgütern und erlesenen Kunstwerken. Manche Liebhaber zahlten jeden Preis, um ihre Häuser mit originalen griechischen Statuen oder zumindest qualitätvollen Kopien ausstatten zu können. Hinzu kamen die exklusiven Wünsche der Kaiser. Erwähnt sei nur ihre Vorliebe für teure Buntmarmore. Indem die Herrscher Wert auf eine möglichst prunkvolle Gestaltung ihrer Repräsentationsbauten legten, begründeten sie eine elitäre Mode, die bald einen weitgespannten Marmorhandel nach sich zog.

Die gängige Vorstellung, die Bevölkerung Roms habe hauptsächlich aus verwöhnten Müßiggängern bestanden, trifft mit Sicherheit nicht zu. Allein im Hafen und in den großen Bauunternehmen dürften Tausende beschäftigt gewesen sein. Beträchtlich war bestimmt auch die Anzahl der Verkäufer, die in Märkten arbeiteten oder kleine, in Wohnblocks integrierte Läden führten. Wie vielfältig das Gewerbe in Rom war, machen die Grabinschriften deutlich, die über 200 verschiedene Berufe nennen. Eine wichtige Rolle spielten neben metallverarbeitenden Betrieben vor allem Töpfereien und Ziegeleien; da der Bedarf an Ziegeln im Laufe der Kaiserzeit stetig stieg, nahm die Produktion geradezu industrielle Ausmaße an. Ökonomisch kaum ins Gewicht fielen dagegen die meist kleinen, stark spezialisierten Werkstätten, die im kunsthandwerklichen Sektor tätig waren.

Seit dem Beginn der Kaiserzeit hatte sich das Fernhandelsnetz beständig erweitert. Es umspannte nicht nur das gesamte Römische Reich, sondern erstreckte sich in vereinzelten Routen bis an die Ostsee und über das Schwarze Meer hinaus bis nach Rußland. Von Petra und Palmyra im Osten des Reiches führten Karawanenstraßen durch das Zweistromland (Mesopotamien) an den Persischen Golf und gewannen hier Anschluss an den Fernhandel mit China, Südindien und Ceylon. Eine der bekanntesten frühen Fernhandelsrouten ist die Seidenstraße zwischen China und dem kaiserlichen Rom. Sie entstand etwa um 100 v. Chr., als die Han-Dynastie einen großen Teil Zentralasiens für den Karawanenverkehr sicher machte. Auf der 6 000 Kilometer langen Strecke beförderte man die bei den Römern sehr begehrte chinesische Seide, römische Wolle und wertvolle Metalle sowie viele andere hochwertige Luxusgüter über Zwischenstationen in Indien und Arabien.

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