Sterben in Rom


Die Römer hatten nach heutiger Betrachtung, keine hohe Lebenserwartung. Grabbeigaben und andere Funde belegen, dass viele Römer nicht einmal 50 Jahre alt wurden. Viele Frauen starben bei der Geburt eines Kindes. Von den Neugeborenen überlebten ca. 2 Drittel.

Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen, die Rom im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. erlebte, wirkten sich auch auf den sepulkralen Bereich aus: Die traditionelle Körperbestattung wurde durch die wesentlich aufwendigere Kremation abgelöst, und an die Stelle unterirdischer Kammergräber traten zunehmend imposante Grabmonumente, die in erster Linie der Selbstdarstellung der Verstorbenen dienten. Unangetastet blieb hingegen das alte Verbot, innerhalb des Stadtgebietes Bestattungen vorzunehmen. Doch auch wenn sich die Gräber außerhalb der Stadt befanden, waren sie keineswegs isoliert, lagen sie doch in der Regel an den großen, stark frequentierten Ausfallstrassen. Welch herausragende Bedeutung die Grabbauten hatten, kann man noch heute den zum Teil spektakulären Ruinen ablesen, die zum Beispiel die Via Appia säumen. Viele Gräber zeichneten sich nicht nur durch eine ungewöhnliche Gestalt und eine stattliche Größe, sondern auch durch eine sehr kostspielige Ausstattung aus. Der Gräberluxus, der zunächst auf die wohlhabende Führungsschicht beschränkt war und deren Ansprüche unübersehbar zum Ausdruck brachte, fand unter den Freigelassenen besonders eifrige Nachahmer. Da die Freigelassenen aufgrund ihres sozialen Aufstiegs allen Grund zum Stolz hatten, scheuten sie nicht davor zurück, ihre persönlichen Tugenden und vorbildhaften Leistungen mittels Porträtdarstellungen und Inschriften auf geradezu aufdringliche Weise zu dokumentieren.

Alltag Grab an der via Appia roemische-imperium.de

Mit der zunehmenden Gleichmachung der Gesellschaft in der Kaiserzeit kam es zugleich zu einer Standardisierung der Gräber. Wie die Nekropolen von Ostia beispielhaft zeigen, herrschten nun kleinere Grabbauten vor, welche die Gestalt von Häusern oder Tempeln hatten. Daran änderte sich auch nichts, als im 2. Jahrhundert die Feuerbestattung durch die Körperbestattung verdrängt wurde. Welche Gründe zu diesem Wechsel führten, ist bis heute nicht geklärt; Gewissheit besteht nur darüber, dass sich die Körperbestattung in Sarkophagen relativ schnell durchsetzte. Die neue Art der Bestattung wirkte sich bald auf die Gestaltung der Gräber aus: Entscheidend war nicht mehr das äußere Erscheinungsbild, sondern die Dekoration der Innenräume, wo die meist reich verzierten Sarkophage zur Schau gestellt wurden. Selbstverständlich konnten sich längst nicht alle Familien ein eigenes Grab leisten. Außer Geldnot trug aber zweifellos auch der Platzmangel dazu bei, dass man die Verstorbenen in großen unterirdischen Gemeinschaftsgräbern – so genannten Katakomben – zu bestatten begann, denn wie die hier gefundenen Marmorsarkophage bezeugen, wurden diese schlichten Grabanlagen im 3. und 4. Jahrhundert nicht allein von Armen, sondern genauso von Angehörigen der Oberschicht benützt.

Eine Sonderstellung nahmen die Gräber der Kaiser ein. Augustus ließ sich noch vor Antritt seiner Herrschaft im nördlichen Marsfeld – also an sehr markanter Lage – ein Mausoleum errichten. Es handelte sich um einen Rundbau von etwa 90 m Durchmesser, der von einem künstlichen Erdhügel bedeckt und von einer kolossalen Statue des Herrschers bekrönt wurde. Während die Grabkammer im Innern sehr schlicht war, zeichnete sich das riesige Monument außen durch eine unvergleichliche Pracht aus; zu beiden Seiten des Eingangs standen zwei Bronzetafeln, auf denen der berühmte Tatenbericht des Augustus verzeichnet war. Einen geradezu revolutionären Schritt tat im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. Trajan, der es wagte, sich mitten in der Stadt bestatten zu lassen. Er wählte als Grab den Sockel seiner spektakulären Triumphsäule, die den ideologischen Mittelpunkt des von ihm gestifteten Forums bildete. Sein Nachfolger Hadrian begann mit dem Bau einer neuen dynastischen Grabstätte; das Monument, das als so genannte Engelsburg noch heute bekannt ist, entsprach in Form und Größe weitgehend dem Grab des Augustus. Die meisten Kaiser des 3. Jahrhunderts hielten sich nur selten in Rom auf, da sie fast permanent mit der Verteidigung der bedrohten Grenzprovinzen beschäftigt waren; dementsprechend wurden sie meist dort beigesetzt, wo sie bei Schlachten oder Mordanschlägen den Tod fanden. Im 4. Jahrhundert setzte Konstantin schließlich ein symbolisches Zeichen, indem er sein Mausoleum bewusst in der neuen Reichshauptstadt Konstantinopel errichten ließ.

Alltag Katakomben roemische-imperium.de

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