Schule und Erziehung

In der frühkindlichen Erziehung wurde der Mutter (mater familias), der Amme, überhaupt der gesamten Familie eine große Bedeutung zugeschrieben. Anhand dieser Bezugspersonen lernte das Kind die Sitten, Bräuche und Normen der Gesellschaft, in der es aufwuchs, kennen. Es ahmte die beobachteten Verhaltensweisen nach und gewöhnte sich mit der Zeit an diese. Man kann zwei Stadien erzieherischer Praxis unterscheiden, nämlich die eine, in der der Säugling von der Mutter gestillt wurde und in der ersten Zeit bei ihr aufwuchs und eine zweite, in der das Kind einer griechischen Magd oder einer Sklavin übergeben wurde, die zur Zeit auch Kinder hatte. Dies hatte natürlich den Vorteil, dass das Kind zweisprachig aufwuchs und griechisch später nicht nachlernen musste. Die weitere Erziehung der Kinder hatte ursprünglich der Vater als Familienoberhaupt (pater familias) kraft seiner väterlichen Vollzugsgewalt übernommen. Der Vater brachte seinem Sohn allerhand Sportarten bei, wie Reiten und Fechten aber auch Faustkampf und verschiedene Überlebenstechniken. Außerdem erzählte er seinem Kind von den Taten und Sitten seiner Vorfahren.

Zunächst erfolgte Erziehung und Unterricht durch die Eltern selbst. Im Laufe der Zeit unterstützte sie dabei ein paedagogus, ein intelligenter und gebildeter Freigelassener oder Sklave. Die Schulbildung blieb also privaten Initiativen interessierter Eltern überlassen. Staatlich bereitgestellte Schulen – sowohl Gebäude als auch öffentliche Lehrer – waren unbekannt. Eine allgemeine Schulpflicht war ebenfalls unbekannt. Das Vorbild der Eltern und die starke Bindung an den Vätersitte bestimmten den jungen Menschen von klein auf. Erst in der Kaiserzeit wurden auch öffentliche Schulen eingeführt.

Die Geschichte des römischen Schulwesens ist im Wesentlichen die Übernahme und Umbildung des griechisch-hellenistischen Schulsystems. Original römisch scheint die Elementarschule zu sein. Erste Grundschulen bezeugt Plutarch für das 3. Jh. v. Chr. Das römische Schulzsystem unterscheidet zwischen Elementarschulen, der höheren Schule und der Hochschule.

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Die römische Elementarschule (ludus litterarius) war privat. Der Lehrer (ludi magister) genoss kein großes Ansehen. Er betrieb sein Geschäft gegen Honorar. Bei 10 Schülern ergab das einen Monatslohn von 80 Assen, pro Tag also vielleicht 2,5 As. Kein großes Entgelt, wenn man bedenkt, dass ein Arbeiter 5 As pro Tag verdienen konnte, ein Scheffel Getreide von 8.7 Litern 16 As kostete und man für das tägliche Essen und Trinken etwa 2 As aufwenden musste. Die meisten Lehrer verdienten sich deswegen offenbar ein Zubrot als öffentliche Schreiber auf dem Forum. Unterrichtet wurde auf dem Forum, umgeben vom Lärm und dem Treiben des zentralen Marktplatzes also. Eigentliche Schulgebäude gab es für Elementarschulen nicht. Gelehrt wurde das Schreiben und Lesen nach einem strengen System, das Rechnen insoweit es für den Alltagsgebrauch (Masse und Gewichte, Umgang mit Geld) notwendig war. Das Schuljahr begann im März, in den Monaten Juli bis Oktober wurde nicht unterrichtet. Besucht wurde die Schule vom 7. bis 12. Lebensjahr. Man schrieb auf Wachstäfelchen, auf Papyrus- oder Pergamentresten. Griechisch lernte ein Kind allenfalls von einem griechisch sprechenden Haussklaven, nicht in der Elementarschule. Die Elementarschule und besonders deren Lehrer hatten einen schlechten Ruf. Man kritisierte das formalisierte Lernen, die Unproduktivität des Unterrichts, harte Strafen usw.

Die höhere Schule wurde vom grammaticus erteilt. Auch er arbeitete auf dem Forum, wahrscheinlich in speziellen Buden. Zwar zielte die Erziehung auf eine breite Allgemeinbildung, aber die mathematischen Fächer wurden völlig vernachlässigt. Schulstoff bildete neben der eigentlichen Grammatik das Lesen der klassischen Dichter. Die den jungen Männern vorbehaltene Ausbildung begann beim griechisch sprechenden Lehrer, erst dann ging man zum lateinischen grammaticus. In wieweit diese Zweisprachigkeit auch hierzulande üblich war, wäre zu untersuchen. Der Schüler blieb. bis zu seinem Mündigkeitsalter von 17 Jahren in dieser Schule. Da auch diese Schule bezahlt werden musste und ein grammaticus Anspruch auf einen höheren Lohn hatte, dürfte die höhere Schule wohl nur für wenige Jugendliche in Frage gekommen sein. Diese Jugendlichen stammten praktisch ausschließlich aus der Oberschicht, die zugleich die regimentsfähige Schicht der Stadt darstellte und als solche in ein zumindest provinz- , wenn nicht reichsweites Netzwerk eingebunden war, und ein äußeres und notwendiges Abzeichen dieser Schicht war eine gewisse Allgemeinbildung.

Hochschulen sind nicht die Universitäten im heutigen Sinne, sondern im Wesentlichen dazu da, für den Staatsdienst zu befähigen. Der Hochschullehrer (rhetor) genoss großes Ansehen, bezog ein beachtliches, manchmal staatlich finanziertes Einkommen und war von Steuern befreit. Der Unterricht fand in speziellen Gebäuden statt. Als Lernziel galt die Befähigung zur Bekleidung von höheren politischen Ämtern. Im Vordergrund stand das Erlernen der Redekunst (Rhetorik) in einem umfassenden Sinne. Sie umfasste auch Rechtslehre und Einblicke in die Philosophie.

Den Mädchen war eine ganz andere Schulbildung vergönnt, als bei den Jungen. Mit 12 Jahren kamen die Mädchen aus der Elementarschule und ihre weitere Ausbildung bestand darin, sie im Elternhaus zu tüchtigen Hausfrauen zu erziehen.

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