Der Limes


Der Limes, die befestigte römische Grenze, ist das größte archäologische Bodendenkmal Europas. Von seinem Beginn bei Koblenz am Rhein verläuft er über 568 Kilometer bis zur Donau bei Eining. Entlang dieser Grenze errichteten die Römer 60 Kastelle, mindestens 900 Wachtürme, sowie eine ganze Anzahl an Kleinkastellen, Feldwachen und weiterer Anlagen.

“Limes” nannten die Römer ursprünglich einen Weg, der ein Gebiet von einem anderen abgrenzt. Erst später wurde der Begriff als Synonym für die Grenze des Römischen Reiches benutzt. Dennoch ist der Limes kein Gebilde aus einem Guss, sondern entstand im Laufe von über 100 Jahren und erfuhr verschiedene Ausbauzustände. Er ist auch nicht homogen in seiner Beschaffenheit, sondern weist regional Unterschiede und Besonderheiten auf.

Nachdem Julius Cäsar ganz Gallien erobert hatte, war der Rhein die Grenze zu den Germanenstämmen. Unter Kaiser Augustus wurden 15 v. Chr. die gallischen Völker des Alpenraumes unterworfen und die Legionen besetzten das Alpenvorland, welches von den keltischen Vindelikern bewohnt war. Die Gründung Augusta Vindelicorum (Augsburg) wurde von einem Legionslager zu einem regionalen Verwaltungszentrum. Auch Cambodunum (Kempten) wurde seinerzeit als römisches Verwaltungszentrum für das hinzugewonnene Gebiet angelegt. Die Römer rückten unter Kaiser Claudius bis zur Donau vor und sicherten diese mit der Anlage einer Reihe von Holz-Erde-Kastellen, den so genannten Donaulimes.

Als Kaiser Domitian im Jahre 83 n. Chr. die Chatten in der Wetterau in Hessen besiegt hatte und lies er das neue römische Territorium durch Kastelle sichern. In den Jahren 85 – 90 n. Chr. rückten die Römer bis zum mittleren Neckar vor und errichteten hier Kastelle. Diese waren durch einen Postenweg miteinander verbunden, der Neckarlimes war entstanden.

Möglicherweise etwas früher oder zeitgleich rückte man in diesen Jahren von der Donau aus nordwärts auf die Schwäbische Alb vor und bildete den so genannten Alblimes.

Etwa 100 n. Chr. begann man mit der Schließung der Lücke zwischen Wimpfen am Neckar und dem Main, der Odenwaldlimes entstand. Zunächst errichtete man hölzerne Wachtürme, die mit einem Postenweg verbunden waren. Die Kastelle entstanden, dazwischen die Kleinkastelle und die von so genannten Numeri, in Britannien ausgehobenen Kleineinheiten von etwa 150 Mann unter einem römischen Kommandeur, belegt waren, wurden entlang dieser Linie errichtet und schlossen an die Wetteraukastelle in Hessen an. Unter Hadrian wurde um 120 n. Chr. der Postenweg mit einem Palisadenzaun versehen. Die Türme wurden ab 145- 147 n. Chr. in Stein neu aufgeführt.

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Kurz nachdem die Türme am Odenwaldlimes in Stein ausgeführt wurden erging etwa um 150 n. Chr. der Befehl, die Grenzanlage etwa 30 km ostwärts vorzuverlegen. Es entstand die endgültige Limeslinie vom Main bei Miltenberg bis zum Remstal. Neben den 8 Kohortenkastellen sicherten 9 Kleinkastelle und 267 Wachtürme diese neue, großteils schnurgerade verlaufende Grenze, eine Meisterleistung der römischen Vermessungstechnik. Noch heute ist nicht hundertprozentig geklärt, wie diese gerade Linie genau ausgemessen wurde, die im Übrigen so gut wie keine Rücksicht auf die topographischen Verhältnisse nimmt.

Diese letzte Grenzkorrektur war der letzte Gebietszuwachs der Römer nördlich der Alpen. Der Limes vom Main bis zur Donau hingegen blieb unverändert in seinem Verlauf, die Vorverlegung des obergermanischen Limes blieb also auf das heutige Bundesland Baden- Württemberg beschränkt.

Der Limes war keine Wehranlage im Sinne mittelalterlicher Befestigungen. Er war nicht dazu konzipiert größere Angriffe abzuhalten. Hierzu war er zu schwach. Die Kastelle liegen am obergermanischen Limes im Abstand von durchschnittlich 7 Kilometer Entfernung zueinander, am rätischen gar im Abstand von 15 Kilometern. Die Türme an der Grenzlinie befinden sich im Abstand von 400-600 Meter Entfernung. Somit diente der Limes in erster Linie als unübersehbare Grenzmarkierung, um kleinere Scharen von Räubern abzuhalten bzw. um ein unkontrolliertes Eindringen von Gruppen in das Römische Reich zu unterbinden. Durch die Grenzbefestigung konnte der Handel- und Warenverkehr gezielt gesteuert und kontrolliert werden. Der Limes stellte auch keine völlig abgeschirmte Grenze dar. Vielmehr gab es kontrollierte Übergänge, die dem Handel mit den germanischen Völkern dienten. Hier kam es zu einem beachtlichen Warenaustausch.

Darüber hinaus diente der Limes natürlich auch dem Zweck der Machtdemonstration. Die Römer zeigten durch die Errichtung dieser gigantischen Befestigungsanlage ihre Möglichkeiten.

Die Kohortenkastelle, die von Hilfstruppen besetzt waren wurden aus der Provinzbevölkerung rekrutiert und hatten zunächst kein römisches Bürgerrecht. Nach einer 25 jährigen Dienstzeit wurden die Hilfstruppensoldaten ehrenhaft entlassen und erhielten mit einem Militärdiplom das Römische Bürgerrecht. Die Söhne dieser Soldaten konnten somit dann Dienst in der Legion leisten. Am Limes selbst gab es keine Legionen. Die nächsten Legionen in Obergermanien standen in Straßburg und Mainz.

In Aalen befand sich das Lager einer Reitereinheit (Ala), die jedoch eine Ala Milliaria, das heißt eine 1.000 Mann zählende Einheit beherbergte. Diese Einheit war die vornehmste am rätischen Limes und den Kohorten übergeordnet.

So lassen sich bereits aufgrund der festgestellten Größe der Kohorten- bzw. Alen-Kastelle Informationen über die dort stationierten Einheiten erschließen, auch wenn diese nicht bekannt sein sollten. Am 382 Kilometer langen obergermanischen Limes waren um 150 n. Chr. 22 Kohorten und 3 Alen stationiert, darüber hinaus ca. 5.000 Soldaten der Numeri. Dies gibt eine Gesamtstärke der Grenztruppen von ca. 18.000 Soldaten. In Obergermanien kommen mit den Legionen in Straßburg und Mainz noch einmal ca.10.000 Soldaten hinzu

Am 166 km langen rätischen Limes standen 14 Kohorten und 4 Alen, was etwa 11.000 Soldaten entspricht.

Neben den Kohortenkastellen, die mit je etwa 500 Mann besetzt waren, gibt es noch die Kleinkastelle, in denen eine Centurie (also etwa 80 – 100 Mann) untergebracht waren. Diese Kleinkastelle befanden sich in unmittelbarer Limesnähe, während die Kohortenkastelle meist etwas zurückversetzt errichtet wurden. Diese Kleinkastelle hatten eine Größe von etwa 0,2 ha und besaßen im Inneren eine Mannschaftsbarracke. Hier taten Einheiten aus Britannien (Numeri) Dienst. Diese hatten in erster Linie Aufklärungsfunktionen und waren den Kohorten-Kommandanten unterstellt.

Verschiedentlich wurden am Limes schwer zu erklärende Gebäude nachgewiesen, die die allgemeine Bezeichnung “Feldwache” erhielten. Sie befinden sich oft in unmittelbarer Nachbarschaft zu Türmen. Man geht heute davon aus, dass hier gewisse Posten zur Kontrolle von Limesdurchlässen saßen, die den Warenverkehr und den Handel an solchen Durchlässen kontrollierten.

Der Limes war keine ganz abgeschottete Grenze. Durchlässe sorgten für den Warenverkehr von und nach Germanien. Dieser lief allerdings unter römischer Kontrolle ab. Am obergermanischen Limes finden sich Durchgänge in Form der Unterbrechung von Wall und Graben, am rätischen Limes wurde die Mauer an bedeutenden Fernstraßen nach Germanien hinein unterbrochen.

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