Rom

Rom hatte zur Kaiserzeit bis zu eine Million Einwohner aus aller Herren Länder. Es war Hauptstadt eines riesigen Weltreiches, es gab imposante Bauten wie das Kolosseum oder das Pantheon. Hier kamen die Waren des Imperiums zusammen, hier fand man die neusten Moden und die besten Festmähler, es gab über 150 Berufe, die Spiele und Rennen, gigantische Thermen und interessante Persönlichkeiten. Doch Rom bestand auch aus Schmutz, Armut, Kriminalität und Gestank. Es war ständig überbevölkert, dehnte sich immer weiter aus. Fäkalien flossen in den Straßen der Slums, man roch sämtliche Gerüche auf einmal, es wurde gedrängelt, geschubst und beschimpft. Jeder Zeit konnte irgendwo ein Feuer ausbrechen oder ein Wohnhaus einzustürzen.

Kam man als Fremder auf einer der Hauptstraße wie der Via Appia oder der Via Flaminia oder vielleicht über den Tiber nach Rom, war man überwältigt. Überall war etwas los. Hier priesen Händler ihre Waren an, dort wurde gerade eine insula , ein Mietshaus mit mehreren Stockwerken, gebaut. Lief man nun durch die Stadt (Wagen waren aufgrund des geringen Platzes nur nachts erlaubt und Sänften konnten sich nur die Reichen leisten.), konnte man einerseits die Stadthäuser der Oberschicht bestaunen, auch wenn von außen nicht viel zu sehen war. Andererseits gab es überall Brunnen, Tempel (30 große und hunderte kleine), Thermen (etwa 1000) und öffentliche Parks (40 Stück). Außerdem fand man hier drei Theater, das größte römische Amphitheater, Kolosseum genannt, und den Circus Maximus, eine riesige Rennbahn. In Rom standen auch die Märkte des Trajan, das größte Kaufhaus der Antike, das sich über fünf Stockwerke erstreckte. Am Tiber, dem Fluss Roms, kamen Schiffe aus Ostia, den Hafen Roms am Mittelmeer, mit Waren aus dem gesamten Reich an und wurden in die Lagerhäuser entladen. Zwängte man sich durch die vielen schmutzigen Gassen, die meistens höchstens drei Meter breit (Es gab nur 20 Straßen auf denen zwei Fahrzeuge nebeneinander Platz hatten.) und dunkel, da die Balkone der Mietshäuser das Sonnenlicht abhielten, und wurde nicht irgendwann von einem dieser Mietshäuser erschlagen, kam man schließlich zum Forum Romanum auf dem Kapitol, jenem Platz, der den Mittelpunkt der antiken Welt darstellte. Hier hielten in der Republik die Konsuln und Volkstribunen ihre Reden, traf sich in der Kurie der Senat, tagte in der Basilika Julia das Gericht, glänzte der goldene Meilenstein, der den Ausgangspunkt des riesigen Straßennetzes Roms in jeder der eroberten Provinzen darstellte, hatte der Kaiser seinen Palast und der Tempel des Jupiter, des Göttervaters, der den zahlreichen Staatsgöttern vorstand.

Aus dem ganzen Umland brachten Aquädukte täglich über eine Milliarde Liter Wasser nach Rom, das in die öffentlichen Bäder (die Thermen), die Brunnen und die Privathäuser, sowie in die öffentlichen Latrinen floss. Die Abwässer wurden durch die Cloaca Maxima (ein Röhrennetz, das sich unter der Stadt erstreckte) in den Tiber geleitet und hatte ihn bei Verlassen der Stadt ungesund braun gefärbt. Nachts ließen Frauen hier ihre Kinder abtreiben, und es traute sich kaum jemand auf die Straße, denn nun war es hier am gefährlichsten. Sei es durch die zahllosen Fuhrwerke der Bauern und Händler, die nun auf den Hauptsraßen fuhren und noch mehr Lärm als am Tag machten, durch Fäkalien, die nachts von oben aus den Mietshäusern auf die Straße gekippt wurden oder durch die Diebe und räuberischen Banden, die jedem Spaziergänger auflauerten, um ihn zu töten und auszurauben. Da hatten die Reichen das Glück, sich Sklaven leisten und diese mit Fackeln als Begleitung mitnehmen zu können. Und bevor die Nacht richtig vorbei war, ging das Leben schon wieder los. Die Läden und Werkstätten in den Erdgeschossen der Mietshäuser wurden geöffnet, die Straßen füllten sich von Arbeitslosen, die unterwegs zu ihrem Patron, einem Gönner waren, der sie finanziell unterstütze und dafür die politische Unterstützung seiner Klienten beanspruchte. Man kam in diesen Menschenströmen nur mit Dreistigkeit und Vorsicht vorwärts. Die arbeitende Bevölkerung war in einem der über 150 Berufe tätig, war Handwerker, Politiker oder Händler. Am frühen Nachmittag war der Arbeitstag zu Ende. In ihrer Freizeit trafen sich die Römer in den Thermen, spielten (verbotenerweise) Würfel- und Glücksspiele, unterhielten sich, trieben Sport oder besuchten eines der zahlreichen Bordelle mit Lustsklaven beiderlei Geschlechts. Zudem wurden in der Oberschicht zahlreiche Gelage veranstaltet, die oftmals politische Hintergründe hatten, denn Rom war auch eine Stadt voller Intrigen und  Bestechungen und gute Verbindungen konnten einem manchmal das Leben retten.

Im Stadtgebiet, von Augustus in vierzehn Bezirke unterteilt und erst durch die Servianische Mauer (378 v. Chr.), später nach weiterer Ausdehnung durch die Aurelianische Mauer (271 – 275 n. Chr.) eingegrenzt, versuchten sich in der Kaiserzeit die Herrscher gegenseitig mit kolossalen Bauwerken wie Tempeln und Thermen zu übertreffen und immer pompösere Spiele zu veranstalten. Diese füllten immerhin ein Drittel des Jahres aus und boten Theater, Gladiatoren- und Tierkämpfe, sowie Wagenrennen. Die Stadt überstand Angriffe der Kelten (387 v. Chr.) und zahlreiche Brände, unter anderem den großen Brand unter Nero im Jahre 64 n. Chr. In Rom, dieser riesigen Stadt, war alles viel größer und höher. Ob Häuser, Vergnügen, Preise oder Gestank und Schmutz. Wenn sich der Besuch in der Stadt zu Ende neigte und man sie wieder verlassen musste, tat man dies mit gemischten Gefühlen. Man blickte zurück auf eine Stadt die einerseits voll von Luxus und Vergnügen, andererseits voll von Armut und Abschaum war, und man dachte sich: “Diese einmalige Kombination gibt es wohl nur in Rom, der “ewigen Stadt”.

Städte Rom zur Kaiserzeit roemische-imperium.de

1. Grab des Hadrian
2. Grab des Augustus
3. Friedensaltar (Ara Pacis)
4. Stadion des Domitian
5. Thermen des Nero
6. Tempel des Hadrian
7. Pantheon
8. Thermen des Agrippa
9. Theater des Pompeius
10. Circus Flaminius
11. Bogen des Diokletian
12. Reichsforen
13. Thermen des Konstantin
14. Thermen des Diokletian
15. Prätorianerlager
16. Thermen des Trajan
17. Kolosseum
18. Bogen des Konstantin
19. Tempel des Claudius
20. Thermen des Caracalla
21. Getreidespeicher des Galba
22. Thermen des Decius
23. Circus Maximus
24. Forum Boarium
25. Reichspalast
26. Triumphbogen des Titus
27. Forum Romanum
28. Tempel des Jupiter

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